Wiesbadener Hospiztag 2017

HUMOR AM LEBENSENDE

Leben bis zuletzt! - Lachen bis zuletzt?

„Humor am Lebensende“ hieß das Thema des 21. Wiesbadener Hospiztages am 18.03.2017 und damit brachte er zwei zunächst unvereinbar scheinende Bereiche, Tod und Humor, in eine Verbindung.
 
Lustigsein und Humor
Zu Beginn seines Vortrages grenzte Christian Heeck, einer der Väter der Clinic-Clowns-Bewegung, Lustigsein und Humor deutlich voneinander ab. Humor setze sich gerade auch mit dem Schweren im Leben auseinander, verharre nicht in der Oberflächlichkeit von Witzen, sei eine Möglichkeit mit den Widerwärtigkeiten des Schicksals zurecht zu kommen. Humor kann eine Bearbeitungsstrategie sein, mit der es gelingt, Distanz zu einem Problem zu schaffen. Er kann zwischen Wünschen und der Realität vermitteln, helfen das Unabänderliche anzunehmen. So ist Humor ein Katalysator, eine Art Balancierstange, um sich auf dem Seil zu halten, das zwischen Geburt und Tod gespannt ist. Mit ihm gibt es eine Möglichkeit, Zugänge zu Menschen zu finden und aus Situationen der Befangenheit, die leicht gegenüber Todkranken entstehen, herauszufinden.
 

Lebensimpulse
Schwerkranke Menschen sollen nicht auf ihre Rolle als Kranke reduziert werden. Wichtig ist es, sich in den Menschen einzufühlen, ihn umfassend wahrzunehmen und seine aktuelle Lebenssituation zu erkennen. Dann können angemessene Lebensimpulse von außen in die geschlossene Welt des Kranken getragen werden und ihn phasenweise aus seinem Leid und Schmerzbereich lösen.

Lebensimpulse ergeben sich aus dem Leben, die eigenen Lebenserfahrungen Haupt- und Ehrenamtlicher bilden hierfür eine natürliche Ressource. Zur Entfaltung dieser Ressourcen sind Kommunikation und Kreativität erforderlich, mit Hilfe von Überraschungseffekten können neue Sichtweisen entwickelt werden. Eine Möglichkeit hierfür bietet die Umdefinition, was bedeutet, die Einstellung zu einer nicht veränderbaren Situation zu verändern, einen neuen Blickwinkel zu wählen (vgl. Mark Twain, „Tom Saywer“). Solch anderer Blick kann überraschende, neue Perspektiven für alle Beteiligten eröffnen. Ein anderer Weg liegt in paradoxen Interventionen, wenn z.B. problematische Verhaltensweisen nicht beschwichtigt, sondern akzeptiert und sogar übertrieben unterstützt werden (z.B. Mitschimpfen, wenn ein Patient über das Essen heftig schimpft), womit sich Zorn in Lachen auflösen kann. Blickpunktwechsel und Umdefinition wollen beide die Fixierung auf ein Problem lösen, neue Sichtweisen eröffnen und so dem Patienten helfen, auch im Leid Gestaltungsräume zu finden, damit aus bloßem Erleiden und Hadern mit dem Schicksal herauszufinden und so gesunde Anteile in sich zu aktivieren.

Clowns mit besonderen Aufgaben
Eine schöne Möglichkeit, Lebensimpulse zu Kranken zu tragen, erlebten die Teilnehmer des Hospiztages mit den Auftritten der Clowns Rosina & Babo (Sigi Karnath und Hardy Hausting), die Clowndoktoren ausbilden und selbst lange als solche gearbeitet haben. Mit wenigen Utensilien (Tücher, Bälle, Luftballons) und lediglich durch Gestik und Mimik zeigten sie achtsame Wege der Kontaktaufnahme untereinander und mit dem Publikum. Dabei zauberten sie durch die große Poesie, die ihrer Darstellung eigen war, heitere Gelassenheit in den Saal.

In der Schlussdiskussion betonten beide, dass sie als Clowns zwar bestimmte Fertigkeiten erlernt haben, zentral sei es aber, beim Betreten eines Krankenzimmers sensibel die Atmosphäre im Raum sowie Persönlichkeit und momentane Befindlichkeit des Patienten zu erspüren und auf dieser Grundlage zu improvisieren.

Umrahmt wurde der Hospiztag durch das Harfenspiel von Astrid Marion Grünling, die mit ihrer meditativen Musik Einstieg und Ausklang ermöglichte.

(Ute Heger)
 

Christian Heeck, Krankheit, Humor und Lebenssinn

Lesen Sie den Artikel von Dipl. Pädagoge Christian Heeck, Universitätsklinikum Münster, zum Thema Krankheit, Humor und Lebenssinn - und was wir aus der antiken Medizin lernen können. Bitte anklicken.