Wiesbadener Hospiztag 2018

SCHULDGEFÜHLE: Belastung oder Erleichterung in der Trauer?

Bericht von Gudrun Pfundt über den 22. Wiesbadener Hospiztag am 17. März 2018

Dieses spannende Thema hatten sich die Veranstalter des Hospiztags auf die Fahne geschrieben und wie es sich zeigte, damit großes Interesse geweckt. Rund 240 Menschen waren gekommen, um mehr über Schuldgefühle und ihre besondere Stellung im Trauerprozess zu erfahren.

Die musikalische Begrüßung wurde auch in diesem Jahr wieder von Astrid Marion Grünling übernommen. Mit ihrem feinen Harfenspiel stimmte sie die Anwesenden sehr gekonnt auf die kommenden Stunden ein.

Zur Eröffnung der Veranstaltung sprach Frau Lydia Gretz, Geschäftsführerin der Stiftung Hospizium Wiesbaden und Leiterin des Hospizes Advena. Sie begrüßte die Ehrengäste und widmete sich in ihrer kurzen Ansprache den Erwartungen an diesen Tag und der Hoffnung hilfreiche Anregungen und Inspiration für die hospizliche Arbeit zu erhalten.

Als offizielle Vertreter des Landes Hessen waren Dr. Martin Nörber, Referatsleiter Bürgerschaftliches Engagement im Sozialministerium und Dr. Oliver Franz, Bürgermeister der Landeshauptstadt Wiesbaden, gekommen. In ihren Grußworten betonten beide die besondere Bedeutung des Ehrenamts, der palliativen und der hospizlichen Arbeit.

Es folgte ein Bericht von Bianca Ferse, Diplom-Pädagogin und Hospiz- und Trauerbegleiterin bei AUXILIUM. Sie ist dort für das Ressort Trauerbegleitung zuständig. Frau Ferse gab einen ausführlichen Überblick über die Angebote für Trauernde in Wiesbaden und Umgebung. Erstaunlich wie vielfältig sich diese entwickelt haben. Angefangen mit den sogenannten niederschwelligen Angeboten wie z. B. dem Trauercafé in der Schwalbe 6 oder „Trauer in Bewegung“, über besondere Angebote für trauernde Kinder bis zur geschlossenen Trauergruppe. Bei AUXILIUM sind die Angebote, bis auf Unkostenbeiträge, kostenlos.

Nach einer kurzen Pause mit anregenden Gesprächen und leckerem Kaffee und Kuchen war die Spannung groß,wie Chris Paul und die Clownin Aphrodite das Thema Schuldgefühle und Trauer umsetzen würden. Schuldgefühle — Belastung in der Trauer? Darunter kann man sich etwas vorstellen, aber Erleichterung in der Trauer? Wie passt das zusammen?

Um es vorweg zu nehmen — die Performance dauerte 80 Minuten — 80 Minuten lauschten die Besucher dem Vortrag und waren begeistert wie Chris Paul den Bogen spannte; von der Trauer zu den Schuldgefühlen und deren Bedeutung. In kleinen Schritten und sehr nachvollziehbar verdeutlichte sie den Teilnehmenden, wie Schuldgefühle funktionieren, was diese mit Menschen machen und wofür sie manchmal sogar hilfreich sind. Sehr wirkungsvoll demonstrierte Chris Paul, wie Schuldzuweisungen eine Antwort auf leidvolles Alleinsein und unerträgliche Ohnmacht sein können.

Begleitet wurde die Performance von Ida Maria Paul, alias Aphrodite, die als Clownin mit ganz wenigen Requisiten und ihrer leisen und pointierten Sprache Trauer, Schuldgefühlen und Betroffenheit ein Gesicht gab. Es brauchte manchmal nur einen kleinen, zarten Ton, der fast sphärisch im Raum schwebte um ihrem innersten Ausdruck zu verleihen. Dabei sind starke Bilder entstanden, Bilder die tief berühren und nachwirken.

Danke an die Organisatoren des Hospiztags und Danke an Ilse Groth-Geier, die diesen wieder souverän moderierte. Eine sehr gelungene Veranstaltung — das Thema Schuldgefühle bewegt sicher nicht nur Menschen in Trauer.

Der 23. Wiesbadener Hospiztag findet am 16. 03. 2019 statt.

Kurzes Video vom Hospiztag 2018