Selbstbestimmung am Lebensende

Worin wir Sie unterstützen – Was Sie von Auxilium erwarten können

Die einjährige Debatte im Bundestag über eine Novellierung des Sterbehilfegesetzes blieb natürlich auch bei Auxilium nicht ohne Beachtung und führte zu lebhaften Diskussionen. Als dann am 06. November 2015 ein Verbot der organisierten Sterbehilfe beschlossen wurde, fühlten sich die Auxilianer bestätigt. Denn das wichtigste Credo im Hospizverein lautet: Sterbebegleitung ja, Sterbehilfe nein. Damit fühlen wir uns der wohl bekanntesten Mitbegründerin Cicely Saunders (neben Elisabeth Kübler-Ross) der modernen Hospizbewegung und Palliativmedizin verbunden und verpflichtet. Von der englischen Ärztin, Sozialarbeiterin und Krankenschwester stammt das Zitat: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

Genau hier sehen wir bei Auxilium unsere Aufgabe: wir wollen Menschen am Lebensende ermöglichen, bis zum letzten Tag in ihrem vertrauten, häuslichen Umfeld zu bleiben. Dazu gehört natürlich, die Bedürfnisse der Schwerstkranken und Sterbenden wahrzunehmen und ihnen nachzukommen, ihre Würde zu wahren, ihren Wunsch nach Selbstbestimmung zu beachten. Das alles sowie emotionale und psychosoziale Unterstützung schafft  die Voraussetzung für den Aufbau von palliativen Versorgungsstrukturen und die Erhaltung der individuellen Lebensqualität am Lebensende.

Eines der Bedürfnisse Schwerstkranker ist in der Regel das nach Unabhängigkeit, vor allem, wenn die Erkrankung ihre Selbständigkeit immer mehr einschränkt. Je umfassender ein Mensch von Schmerzen und anderen Symptomen beeinträchtigt ist, je abhängiger er oder sie sich von Unterstützungsmaßnahmen durch andere fühlt, desto eher kann sich der Wunsch nach einem selbstgewählten Todeszeitpunkt entwickeln. An diesem Punkt hat bislang Organisationen, die gewerbsmäßig Förderung eines Suizids anboten, keine ausdrückliche strafrechtliche Sanktion gedroht. Der neue § 217 Abs.1 Strafgesetzbuch (StGB) stellt derartige Leistungsangebote allerdings nun unter Strafe. 

Umso wichtiger erscheint uns bei Auxilium, Menschen zu beraten, in welcher Weise eine Patientenverfügung das Selbstbestimmungsrecht zum Ausdruck bringt, stärkt und das Bedürfnis nach Autonomie unterstützt. Getragen von der Annahme, dass der Wunsch nach Selbstbestimmung auch in Situationen, in denen keine verbale Äußerung möglich ist, erhalten bleibt, ist die Patientenverfügung von zentraler Bedeutung hinsichtlich des Einsatzes lebenserhaltender Maßnahmen. Diese stellen nämlich eine zeitlich begrenzte Therapieform dar, deren Beendigung eben weder als aktive Sterbehilfe noch als unterlassene Hilfeleistung ausgelegt werden kann.

Um es gar nicht erst zu unerwünschten Behandlungsmaßnahmen kommen zu lassen, ist es möglich,  auf bestimmte künstlich lebensverlängernde Therapieformen zu verzichten wie beispielsweise den Einsatz eines Beatmungsgerätes, Wiederbelebungsmaßnahmen, künstliche Ernährung durch eine PEG-Magensonde, die Verabreichung bestimmter Antibiotika, etc. und das in einer Patientenverfügung festzulegen.

Wer sich für eine Begleitung durch Auxiliums Palliativ Care Fachkräfte und qualifizierte Hospizbegleiter entscheidet, kann auf eine prozesshafte Begleitung vertrauen. Dies bedeutet, dass eintretende Veränderungen und Entwicklungen aufmerksam wahrgenommen und sowohl in medizinischer als auch in menschlicher Hinsicht berücksichtigt werden. Wir wollen Menschen darin unterstützen, selbst herauszufinden, welche Bedeutung Selbstbestimmung und Würde zu jedem Zeitpunkt für sie haben und wie sich Lebensqualität, den Umständen angepasst, immer wieder anders und neu definieren lässt.

Wir von Auxilium sehen unsere Aufgabe darin, Gesprächspartner auf Augenhöhe zu sein für alle persönlichen Themen, seien sie medizinischer, emotionaler, spiritueller Natur oder von Angst besetzt. Einen zum Ausdruck gebrachten Sterbewunsch halten wir für sehr menschlich. In der Regel entspringt er einer zutiefst empfundenen Ausweglosigkeit. Unserer Grundhaltung und auch unserer Erfahrung nach kann die Annahme, dass die Selbsttötung die einzige Lösung in einer ausweglos scheinen Situation ist, bei optimaler palliativmedizinischer Versorgung verändert werden. Dazu gehört, dass wir allen Fragen, die einen schwerstkranken Menschen und seine Familie in der Not der Todesnähe bewegen, mit Respekt, Toleranz und ohne Wertung begegnen. Wir bieten an, gemeinsam nach individuellen Antworten zu suchen, indem wir Bedürfnisse ernstnehmen und unsere Begleitung an ihnen orientieren. Auf den Punkt gebracht heißt das: Sterbebegleitung ja – Sterbehilfe nein.

In Gesprächen mit Interessierten stellen wir immer wieder fest, dass vielen Menschen der Unterschied zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe nicht deutlich ist. Das kann zu Missverständnissen führen.

Was ist also:

- aktive Sterbehilfe?

Für die aktive Sterbehilfe wird einem Patienten ein unmittelbar tödlich wirkendes Mittel verabreicht. Der Patient nimmt es also nicht selbst zu sich (das ist der Unterschied zum assistierten Suizid), sondern es wird dem Patienten von außen “aktiv” zugeführt. Bei aktiver Sterbehilfe wird also bewusst und vorsätzlich ein neuer Kausalverlauf initiiert, der unmittelbar und kurzfristig zum Tod führen soll.

- passive Sterbehilfe?

Der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen oder deren Therapieabbruch (z.B. künstliche Beatmung)wird als passive Sterbehilfe verstanden. Hierbei kann einerseits der in einer Patientenverfügung festgehaltene Wunsch eines Patienten zum Tragen kommen. Daneben ist es andererseits möglich, dass aus medizinischer Sicht keine Indikation für derlei Maßnahmen gegeben ist. Bei passiver Sterbehilfe wird also kein neuer Kausalverlauf (durch Gabe eines tötenden Mittels) in Gang gesetzt, sondern vielmehr darf hier der natürliche Sterbeprozess geschehen.

 - assistierter Suizid (Beihilfe zum Freitod)?

Hierbei handelt es sich um eine Beihilfe zur autonomen Selbsttötung des Patienten. Ein Mittel, das unmittelbar zum Tode führen soll, wird nicht aktiv verabreicht. Der Patient muss in der Lage sein, das ihm zur Verfügung gestellte Mittel selbst einzunehmen. Von Bedeutung ist hier der Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung, denn im Falle einer eintretenden Bewusstlosigkeit besteht die Verpflichtung lebensrettende Maßnahmen einzuleiten. In der Folge heißt das, nach Verabreichung des Mittels muss der Patient allein gelassen werden.

Übrigens:

Cicely Saunders sah im Sterbeprozess eine Zeit, die sehr viele Möglichkeiten für seelische Heilung und Wachstum bietet und die Chance, Freunden und Familie noch einmal Danke zu sagen.

Für Elisabeth Kübler-Ross lag in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod die Chance, auf das Leben zurückzuschauen und Lebensprobleme („unerledigten Geschäfte“) so weit wie möglich zu klären und Aussöhnung mit sich selbst und den Liebsten zu erfahren.

Bianca Ferse, Karl-Georg Mages, Ralf Michels