Wiesbadener Hospiztag 2023

Save the date: 17. Juni 2023, Hospiztag 2023, vorläufiger Arbeitstitel:
„Gemeinsam Sorge tragen – Leben im Quartier bis zuletzt“. Wie wir in Zukunft dem Tod begegnen wollen.

 

Der 24. Wiesbadener Hospiztag:  Sinnfragen – Wofür lohnt es sich zu leben.

Lange hatte das Organisationsteam um Ilse Groth-Geier gerungen, wie der zweimal verschobene Hospiztag durchgeführt werden sollte. Letztendlich entschied sich das Team die Veranstaltung digital durchzuführen. Wie sich herausstellte, war dies eine gute Entscheidung. Weit mehr als 200 Personen aus ganz Deutschland hatten sich der Veranstaltung zugeschaltet.

Was gibt dem Leben Sinn? In ihrer Anmoderation verwies Groth-Geier auf die ungeheure Aktualität des Themas, das sich durch den Krieg in der Ukraine geradezu aufdrängt.

Schirmherr der Veranstaltung, der hessische Minister für Soziales und Integration Kai Klose bedankte sich in seinem Grußwort bei den ehrenamtlich Tätigen und bezeichnete die Hospizarbeit als sinnstiftend für Menschen. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden Gert-Uwe Mende sprach in seiner kurzen Rede an die Teilnehmenden davon, das Schwere nicht auszublenden und betonte seine besondere Wertschätzung für die Hospizarbeit.

Kann man Lebenssinn erforschen?

Ja, man kann. Tatjana Schnell, Professorin und führende Sinnforscherin in Europa lehrt und forscht in Innsbruck und Norwegen. Schnell, die aus Oslo zugeschaltet war, berichtete, dass Sinnerfüllung auf dem grundlegenden Vertrauen fußt, dass es sich zu leben lohnt, Sinnerleben aber Glück und Leid mit einschließt. Man dürfe das Dunkle nicht verbannen. Menschen sähen sich heutzutage aber häufiger Sinnkrisen ausgesetzt, weil sie vielfach auf Konsum als glücksbringendes Element setzten.

Lebenssinn und Lebensglück entstehen nicht, weil wir es anstreben, es uns wünschen. Ob wir ein sinnerfülltes Leben führen wird maßgeblich durch unser Handeln bestimmt. Glück entsteht, wenn wir handeln und vor allem zählt, wie wir handeln. Schon in der Antike beschäftigte die Philosophen, was ein sinnerfülltes Leben bedeuten könnte. Aristoteles prägte den Begriff des eudaimonischen Glücks; er bedeutet, die eigenen Potentiale zu leben, anderen zu helfen, sich zu engagieren als Voraussetzung für ein erfülltes und sinnvolles Leben.

Ergebnisse und Anregungen der Sinnforschung von Tatjana Schnell finden sich auf der Website: www.sinnforschung.org.

Alles Sinnvoll – alles Sinnlos?

Prof. Dr. Wilhelm Schmid, deutscher Philosph mit dem Schwerpunkt auf dem Gebiet der Lebensphilosophie stellte seinen Vortrag unter die Überschrift "Dem Leben Sinn geben". Viele Menschen suchten heutzutage nach dem Sinn, weil ihnen ein sinnstiftender Zusammenhang fehle. Der soziale Zusammenhalt früherer Zeiten, in denen Religion, Familie und Staat Verhaltensweisen des Zusammenlebens stark reglementierten, gab den Menschen Halt und Orientierung. Das hatte Vor- und Nachteile. Die Not unserer Zeit bestehe darin, dass beschützende Netze wie Religion oder Ehe, verloren gegangen sind. Dies führte zur Auflösung vieler Dinge die sinnstiftend waren.

Die Basis für ein glückliches und sinnerfülltes Leben ist für Schmid die Liebe. Nicht nur die Liebe zwischen Eltern und Kind oder zum Partner, auch zu einem Tier, einem Ort oder der Natur. Liebe spendet Kraft, setzt Energie frei und hilft uns bei der Entfaltung unserer Möglichkeiten.

War der 24. Hospiztag, der erste digitale, ein Erfolg? Ganz bestimmt. Es hat sich gezeigt, dass man über die Grenzen des Rhein-Main-Gebietes hinaus Menschen für den Hospiztag begeistern kann. Die anregende Atmosphäre einer Präsenzveranstaltung kann sie aber nicht ersetzen. Deshalb überlegen die Organisatoren zukünftige Veranstaltungen in hybrider Form zu planen. Eine gute Entscheidung!   

Gudrun Pfundt

 

24. Wiesbadener Hospiztag 2022

Mitschnitt Vortrag Prof. Dr. Wilhelm Schmid, 12.03.2022

https://www.hvwa.de